Die häufigste Begründung für einen Relaunch ist „die Seite gefällt mir nicht mehr“. Das ist ein nachvollziehbares Gefühl und ein schlechter Auslöser. Gestaltung altert, aber Gestaltung allein bringt selten neue Anfragen.
Hier sind fünf Punkte, die tatsächlich für einen Neubau sprechen — und einer, der dagegen spricht.
1. Am Handy ist die Seite mühsam
Der eindeutigste Grund. Öffnen Sie Ihre Website am Telefon und versuchen Sie drei Dinge: Ihre Telefonnummer anrufen, das Kontaktformular abschicken, einen Preis finden. Wenn Sie dabei zoomen, scrollen oder raten müssen, tun das Ihre Kunden auch — nur brechen sie ab.
Der Großteil lokaler Suchen passiert am Telefon. Eine Seite, die dort nicht funktioniert, funktioniert nicht.
2. Die Seite lädt spürbar langsam
Testen Sie mit mobilen Daten, nicht im WLAN. Wenn nach drei Sekunden noch nichts Lesbares steht, ist ein relevanter Teil der Besucher schon weg. Google bewertet Ladezeit außerdem direkt als Ranking-Faktor.
Ladezeit lässt sich manchmal ohne Neubau reparieren: zu große Bilder ersetzen, überflüssige Plugins entfernen, Schriften lokal einbinden. Wenn das nicht reicht, weil der Unterbau zu schwer ist, hilft nur neu bauen.
3. Sie können nichts selbst ändern
Wenn eine geänderte Öffnungszeit ein Angebot und zwei Wochen Wartezeit bedeutet, ist die Seite nicht wartbar. Das führt dazu, dass Inhalte veralten — und veraltete Inhalte kosten Anfragen und Vertrauen.
4. Die Struktur passt nicht mehr zum Angebot
Betriebe verändern sich. Neue Leistungen werden als Unterseite drangehängt, alte bleiben stehen, die Navigation wächst auf zwölf Punkte. Irgendwann findet niemand mehr, was Sie eigentlich verkaufen.
Das ist kein Gestaltungsproblem, sondern ein Strukturproblem. Es lässt sich nur lösen, indem man von vorn anfängt.
5. Sie kommen technisch nicht mehr an die Seite heran
Der Entwickler ist nicht mehr erreichbar, die Zugangsdaten sind weg, das System bekommt keine Sicherheitsupdates mehr. Das ist kein Geschmacksthema, sondern ein Risiko — insbesondere bei Systemen mit veralteten Erweiterungen.
Wann ein Relaunch die falsche Antwort ist
Wenn Ihre Seite technisch in Ordnung ist, am Handy funktioniert und nur die Inhalte veraltet sind, brauchen Sie kein Redesign. Sie brauchen einen Nachmittag für neue Texte und aktuelle Fotos.
Ebenso: Wenn Sie keine Anfragen bekommen, aber auch niemand Ihre Seite besucht, ist die Seite nicht das Problem. Dann fehlt Sichtbarkeit — und die entsteht über das Google-Unternehmensprofil, Inhalte und Zeit, nicht über ein neues Design.
Der teuerste Fehler beim Relaunch
Wenn eine Seite neu gebaut wird, ändern sich meist die Adressen der Unterseiten. Aus /leistungen/beratung.html wird /leistungen/beratung. Google kennt die alte Adresse, findet dort nichts mehr und entfernt sie aus dem Index.
Das Ergebnis ist der Klassiker: Die neue Seite ist schöner, und die Anfragen brechen ein. Nicht weil das Design schlechter wäre, sondern weil die Sichtbarkeit verloren ging.
- Alle bestehenden Adressen erfassen, aus Sitemap und Search Console.
- Für jede Adresse das neue Gegenstück festlegen. Wo es keines gibt, bewusst auf die passende Übersichtsseite weiterleiten.
- Weiterleitungen einrichten und vor dem Umschalten testen.
- Neue Sitemap in der Search Console einreichen.
- In den ersten Wochen die Fehlerberichte kontrollieren und Lücken nachziehen.
Wie Sie es prüfen können
Bevor Sie ein Angebot einholen, machen Sie diesen Test: Öffnen Sie Ihre Seite am Handy mit mobilen Daten. Stoppen Sie die Zeit, bis Sie etwas lesen können. Versuchen Sie, eine Anfrage zu schicken. Suchen Sie bei Google nach Ihrer Leistung plus Ihrem Ort und sehen Sie nach, ob Sie vorkommen.
Nach diesen drei Minuten wissen Sie mehr über den Zustand Ihrer Website als aus jedem Verkaufsgespräch.